Damit Leben gelingt

Menschen mit Behinderung. Eine Einleitung.

 

 

Ein Mann sitzt im Rollstuhl und sagt:'Ich hasse meine große Nase'.Behinderte Menschen sind wie Du und ich. Die Caritas-Jahreskampagne www.kein-mensch-ist-perfekt.de erinnerte daran. DCV/ Mathias Bothor

Kindheit, Schule und Ausbildung

Unterstützung und Beratung bereits vor Kindergarten oder Schule erhalten Kinder mit Behinderung und ihre Eltern durch Frühförderstellen. Förderschulen berücksichtigen den besonderen Förderbedarf von behinderten Kindern in der schulischen Ausbildung. In Berufsbildungswerken werden vielfältige und interessante Lehrberufe angeboten.

Arbeit und Beschäftigung
Viele Menschen mit Behinderungen finden in der heutigen Zeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keinen Platz mehr. In Werkstätten für Menschen mit Behinderung erhalten sie einen Arbeitsplatz und eine sinnvolle Beschäftigung. Eine bayerische
Besonderheit sind die sogenannten
Förderstätten, in den schwerstbehinderte
Menschen betreut und gefördert werden.

Wohnen, Freizeit, Kontakte
Ein flächendeckendes Netz von Dienststellen der Offenen Behindertenarbeit berät, unterstützt und begleitet Menschen mit Behinderung, die in den eigenen vier Wänden oder bei ihren Angehörigen leben. Für Personen, die eine intensivere Betreuung und Begleitung benötigen, halten Wohnstätten und Wohnpflegeheime differenzierte und vielfältige Angebote vor.

 

Pressemitteilungen zum Thema

"Probiere es einfach aus! Du hast nichts zu verlieren!"

 

Günzburg, 07.05.2014 (pca). Die Inklusion, d.h. die Teilhabe von allen Menschen am gesellschaftlichen Leben, unabhängig davon welche Einschränkung sie haben, kann nur dann funktionieren, wenn man voneinander weiß und sich immer wieder auch begegnet, weil man ansonsten sich nicht kennenlernen kann. Nach diesem Motto luden die Albertus-Magnus Werkstätten Günzburg (AWG) schon zum dritten Mal zum „Spiel ohne Grenzen“ ein. „Wir wollen Berührungsängste abbauen helfen“, erklärte Christine Keis , die den Sozialdienst der AWG leitet.

Acht Gruppen nahmen an dem Spiel ohne Grenzen teil. Die Montessori-Schule, die Maria-Theresia-Mittelschule und die Dominikus-Zimmermann-Realschule entsandten ihre Teams genauso wie die AWG und das Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg . Dass sie alle mitmachen würden, war für sie keine Frage. „Warum auch nicht?“, brachte es Andrea Riepel , Mathematik- und Physik-Lehrerin an der Dominikus-Zimmermann-Realschule in Günzburg, auf den Punkt.

Der Auftakt war für jede Gruppe ein besonderes Erlebnis. Andreas Eisele, der Sportfachkraft der AWG war es gelungen, Alexander Fangmann , Kapitän der deutschen Blinden-Fußballnationalmannschaft, als Schirmherr zu gewinnen. „Wie kann man denn blind Fußball spielen? Man sieht doch nicht den Ball?“, fragte ein Kind. Es bekam die Gelegenheit, es auszuprobieren.

Jeder Teilnehmer musste nämlich eine völlig abgedunkelte undurchsichtige Brille aufsetzen und dann auf das Tor schießen. Fangmann brachte Bälle für den Blindenfußball mit. Sie sind kleiner, aber schwerer als die normalen und in ihnen steckt eine Klingel. Denn nur wenn der Ball Bodenhaftung hat und rollt, hört man ihn. „Wenn ihr aber das Tor treffen wollt, braucht ihr auch noch die Hilfe anderer!“, erklärte der Fußball-Kapitän. Je eine Person musste links bzw. rechts am Pfosten und hinter dem Tor stehen und „links“, „Mitte“ bzw. „rechts“ rufen. „Wir Blinden sind auf unserer Gehör ganz besonders angewiesen, ruft also deutlich und genau“, forderte Fangmann die Teilnehmer auf.

Vielen gelang der Schuss ins Tor, weil sie sich auf das Hören verließen, andere waren zurückhaltender und schossen nur mit wenig Schwung. Als ihre Lehrerin Riepel es versuchte, machten sich ihre Schüler von der Dominikus-Zimmermann-Realschule einen Scherz aus der Situation. Statt „rechts“ riefen sie „links“ bzw. andersherum und „Mitte“ erklang von rechts außen. So schoss Riepel rechts am Tor vorbei. Der Kommentar von Jürgen Fischer, Gruppenleiter der AWG, traf dann den Punkt genau auf den Kopf: „Da seht ihr, wie verlassen man ist, wenn man sich nicht aufeinander verlassen kann.“

Dann ging es weiter in die Innenstadt auf den Wätteplatz . Dort galt es, den Aktionstag von „Aktion Mensch“ zum Leben zu bringen. Die Teilnehmer deckten den Tisch für einen „Inklusions-Café“. Sie mussten Passanten an ihren „Frühstückstisch“ einladen. Das gelang allerdings nur ganz wenigen. Die Günzburgerin Heidi Wittlinger setzte sich mit den Kindern an den Tisch. „Wir feiern heute die Inklusion“, sagte ein Junge etwas vorlaut. Doch dann musste er auch erklären, was das heißt. Wittlinger war jedenfalls sehr angetan von der Aktion. „Sie ist toll, aber auch ihr, weil ihr so freundlich seid“, sagte sie zu den Jungs.

Eine Neuheit in diesem Jahr war, dass die drei Schulen einen eigenen Stand bei sich anboten. Beim Stand der Montessori-Schulen durften alle Teilnehmer Wimpel aus Stoff bemalen, „was er sich gerade denkt oder fühlt“, erklärte Elisabeth Pothmann . Mit ihrer Kunstaktion, deren Ergebnis sie auch beim Guntia -Fest vorstellen wird, will die Montessori-Schule auf das hinweisen, „was uns reicht macht: Wir sind bunt.“

Bei der Maria-Theresia-Mittelschule konnten die Teilnehmer ihr Feingefühl und Geschick dabei erweisen, ob es ihnen gelang, den Jenga -Turm aus rechteckigen Holzscheiten durch Herausziehen einzelner Holzscheite immer höher wachsen zu lassen. Die Jungs der Dominikus-Zimmermann-Realschule wurden dabei von denen der Montessori-Schule deutlich geschlagen. Aber darauf kam es nicht an. Für Stefanie Lecheler , Jugendsozialarbeiterin an der Schule, ermutigte besonders die Schwächeren und gab damit gleichzeitig das Schlusswort zum Spiel ohne Grenzen für mehr Inklusion in Günzburg: „Probiere es einfach aus! Du hast nichts zu verlieren!“

"Peter Pan"

 

Am Sonntag, den 18. Mai, spielt das Inklusive Theaterprojekt von Theater EUKITEA und der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Caritasverbandes für den Landkreis und die Stadt Augsburg für Sie das Stück „Peter Pan“, frei nach James M. Barrie. Bereits zum dritten Mal erwartet die Zuschauer eine bezaubernde Aufführung lustig, spannungsvoll und liebevoll gespielt von talentierten WorkshopteilnehmerInnen .

Haben Sie auch wunderbare Gedanken? Dann können Sie gemeinsam mit den Schauspielern vom integrativen Theaterworkshop nach Nimmerland fliegen und ein richtiges Abenteuer erleben. Zusammen begegnen Sie beispielsweise Peter Pan, Wendy und den verwunschenen Jungs, dem böse Captain Hook mit seinen Piraten, dem Krokodil und natürlich der Fee Glöckchen.

„Als das allererste Baby zum allerersten M al lachte, zersprang das Lachen in tausend Stücke. Sie hüpften auf und davon. Und seitdem gibt es Feen.“ James M. Barrie

 

Workshopleitung und Regie:

Giorgio Buraggi :                   Schauspieler, Puppenspieler, Theaterpädagoge, Ensemble-Mitglied des Theater EUKITEA

Veranstaltungsort: Theater EUKITEA, Lindenstraße 18 b, 86420 Diedorf

 

Datum und Uhrzeit: So. 18.05. | 16 Uhr

 

Eintritt: 5 € / erm . 3 €

 

Informationen und Tickets: Tel. 08238/ 96 47 43 -96 oder info@eukitea.de

 

Bereits 2012 und 2013 begeisterten die WorkshopteilnehmerInnen ihr Publikum:

 

M it einfachen Handlungen und humorvollen Szenen konnten sich Akteure wie Zuschauer auf eine wundervolle kulturelle Inklusion einlassen. Augsburger Allgemeine am 30.05.2012.

 

„Es wurde mitgefiebert, mitgefühlt und mitgelacht. Das war sowohl für die Darsteller als auch die Theaterbesucher ein tolles Erlebnis. Einfach mal fernab jeglicher Normen und Strukturen ein buntes M iteinander, das berührt und bereichert.“ Augsburger Allgemeine am 08.05.2013

 

 

 

Informationen zum P rojekt:

 

Die Offene Behindertenarbeit (OBA) des Caritasverbandes für den Landkreis und die Stadt Augsburg und Theater EUKITEA gGmbH haben mit Unterstützung der Aktion Mensch Anfang 2012 das Inklusive Theaterprojekt “Theater, Theater, Theater” ins Leben gerufen.

Menschen mit und ohne Behinderung spielen gemeinsam Theater: Sie ergründen zusammen verschiedene Theatertechniken und erarbeiten unter der Leitung unseres erfahrenen Theaterpädagogen, Regisseurs und Schauspielers Giorgio Buraggi ein tolles Theaterstück. Dabei bringen die TeilnehmerInnen ihre ganz speziellen Möglichkeiten und Fähigkeiten beim Theaterspielen ein.

Ein Grundprinzip der Inklusion ist die Akzeptanz der Verschiedenheit von Menschen. Die Vielfalt und die individuellen Talenten und Ausdrucksmöglichkeiten der Teilnehmer,   mit   und   ohne   Behinderung,   kommen   bei   diesem   Theaterprojekt wunderbar zum Ausdruck.

Statt Berührungsängste ein tolles Miteinander

 

Günzburg, 23.09.2011 ( pca ). „Das hat richtig Spaß gemacht, für sie und für uns“, so die beiden Schüler Mathias Wohnlich und Sebastian Heine aus den Klassen 8c und 8a der Dominikus-Zimmermann-Realschule in Günzburg. Sie hatten ein Freundschaftsspiel gegen die Fußballmannschaft der Albertus-Magnus-Werkstätten in Günzburg zu bestreiten. 5 zu 4 stand es am Ende des Spiels zugunsten der Realschüler. Sie hatten in der letzten Spielminute noch das entscheidende Tor geschossen.

Seit zwei Jahren treffen sich die Realschüler immer wieder mit den Menschen mit Behinderungen aus den Albertus-Magnus-Werkstätten . „Dass sie immer wieder zu uns kommen, wie zu ihnen gehen können, ist für mich ein Stück gelebter Inklusion, ein tolles Miteinander“, so Jürgen Kühnl, der Leiter der Werkstätten. Anfangs hätten schon Berührungsängste bestanden, so die Religionslehrerin Elke Warnecke.

Die bestehen heute nicht mehr. „Sie sind ganz normale Menschen wie wir“, bekräftigt Julian Winkler aus der 8b. Sein Klassenkamerad Eduard Werbizki gestand, „die sind manchmal besser als wir trotz ihrer Einschränkungen“. Daniel Blanck aus der 8c war beeindruckt von dem freundlichen und ruhigen Verhalten der AWG-Mannschaft. „Wenn hier ein Gegentor fällt, schreien die nicht so wie wir im Fußballverein.“ Die Schüler kamen bei der AWG-Mannschaft sehr gut an. Deren Spielführer German Vogt, der in der Schlosserei der AWG arbeitet, zeigte sich begeistert von den Realschülern. „Das sind tolle Fußballer und tolle Jungs. Das bedeutet schon was, dass sie mit uns spielen, denn das macht nicht jeder.“

 

10 Jahre Ulrichswerkstätten Augsburg im Hochfeld

 

Augsburg, 27.09.2012 (PCA). In der kommenden Woche feiern die jüngsten Ulrichswerkstätten Augsburg der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, die Ulrichswerkstätten Hochfeld, ihr zehnjähriges Bestehen. Dazu werden alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, Betreuer, Eltern und Sorgeberechtigte zum Tag der offenen Tür am Mittwoch, 03.10.2012,   ab   9.00 Uhr herzlich eingeladen.

Bei einem geführten Betriebsrundgang können sich die Besucher ein Bild von den vielfältigen Arbeitsangeboten der Werkstätten machen. Von der Wäscherei in der täglich mehr als 2,5 to Wäsche für Augsburger Krankenhäuser und Seniorenheime verarbeitet werden, über die differenzierten Montagegruppen, einen hochmoderne Metallverarbeitung bis hin zu einer eigenen Backstube im Bereich der Großküche, in der auch die leckeren Kuchen für das Café-am-Milchberg gebacken werden.

Die Gäste erwartet ein vielseitiges Rahmenprogramm, vom Sinnesparcours, über Torwandschießen, einer Tombola mit reizvollen Gewinnen, bis hin zu einer sehenswerten Kunstausstellung und natürlich gibt es in den verschiedenen Arbeitsgruppen auch „Mitmach-Arbeitsplätze“. Es gibt auch in den verschiedenen Arbeitsgruppen   „Mitmach-Arbeitsplätze“, die Inklusion in jeglicher Richtung bieten. Die hauseigene Küche sorgt mit kulinarischen Köstlichkeiten für das leibliche Wohl.

Mehr als 300 Menschen mit Behinderungen aus Stadt und Landkreis Augsburg und den angrenzenden Landkreisen finden in der Einrichtung einen maßgeschneiderten Arbeitsplatz. Dort können sie täglich ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. „Wir passen die Arbeit an den Menschen an“, erklärt Betriebsleiter John Grimm, „ und zwar so, dass jeder Beschäftigte, Arbeitschritte erledigen kann, die ihn weder unter- noch überfordern und die er in seinem Arbeitstempo ausführen kann. Hilfsmittel und Vorrichtungen werden im eigenen Betriebsmittelbau hergestellt, wenn Unterstützung bei einem Arbeitsschritt notwendig wird.

„Um auch die Persönlichkeitsentwicklung der Beschäftigten zu fördern, wird ein umfangreiches Kursprogramm, in den Bereichen betriebliche Qualifizierung, Persönlichkeitsförderung und Bildung durch Bewegung angeboten“, erläutert Erika Mayr, Sozialpädagogin im begleitenden Dienst. Diese Kurse werden von den kreativen Gruppenleitern der Werkstätten bedarfsgerecht angeboten und durch die Angebote der Sportfachkraft und der ehrenamtlichen Helfer ergänzt.

„Da sich die Ulrichswerkstätten in den vergangenen zehn Jahren gut im Augsburger Wirtschaftsraum und mit anderen Werkstätten in Schwaben vernetzt haben, können wir immer ausreichend Arbeit für die Beschäftigten bereitstellen,“ erklärt Grimm mit einem gewissen Stolz. „Durch die hohe Qualität unserer Leistungen, haben wir sehr viele langjährige und zufriedene Kunden, die uns anlässlich unseres Jubiläums großzügig unterstützt haben“. So kann jede/r Beschäftigte ein bedrucktes Polo-Shirt zur Erinnerung an ‚10 Jahre Ulrichswerkstätten Hochfeld’ erhalten. (JG)

 

 

"Da zerfließen die Grenzen"

 

Diedorf, 21.5.2012 ( pca ).   „Man muss es mit offenem Herzen tun und dann ist alles einfach.“ Was aus diesen Worten des Schauspielers und Projektleiters   Giorgio Buraggi entstehen kann, das konnte leider nur ein geladener Kreis am späten Sonntag Nachmittag im Internationalen Theaterhaus Eukitea in Diedorf erleben. 12 erwachsene Menschen mit und ohne Behinderung boten eine runde Stunde lang ein szenisches Ausdruckstheater, das die Zuschauer tief beeindruckte.

Das Theaterstück begann mit einer Begrüßungsszene aus einem einzelnen Hallo, das übersprang in übersprühende Begrüßungen aller Schauspielerinnen und Schauspieler miteinander. Wer meinte, das wilde Durcheinander könne nicht eingebremst werden, täuschte sich. Mit feinem Gespür und Gehör füreinander stoppte der wilde Reigen schlagartig, bevor er wieder von Neuem begann. Es folgten Szenen, die davon erzählten, wie Vertrauen zueinander durch einen feinfühligen Umgang miteinander gedeihen kann, oder dass bei einem Streit gegeneinander sich bekanntlich am meisten der Dritte freut.

Das Marionettenspiel, bei dem ein Schauspieler den anderen mit einem nur gedachten Faden in Bewegung setzt, ließ erahnen, wie sehr die Schauspielerinnen und Schauspieler mit und ohne Behinderung gelernt hatten, auf die kleinsten Bewegungen des anderen zu achten. Am Ende spielten das Schauspieler Ensemble nahezu gleichnishaft vor, was es heißt, dieselben   Wörter im Mund zu führen, aber nicht im Gleichklang zu sprechen. Hamlets Monolog „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“ aus der gleichnamigen Tragödie Hamlet von William Shakespeare entwickelte sich zu einem verwirrenden Sprechklang. Als einer nach dem anderen schwieg und sich um die Kerze in der Mitte der Bühne scharte und nur noch eine Schauspielerin sprach, dann erst gewann die Aussage Hamlets ihren klaren Klang.

Die Idee zu diesem inklusiven Theater hatte der Dienst der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Caritasverbandes für den Landkreis Augsburg . Es sollte gezeigt werden, dass Teilhabe, Inklusion also, sich nicht nur auf die Arbeit, die Mobilität und das Wohnen beschränkt. Individuelle Entfaltung und künstlerische Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen sollten mit hinein genommen werden, so Dieter Demel, der Leiter der OBA. Umgesetzt konnte die Idee aber nur dank der Leitung von Eukitea , die davon begeistert war, und der Aktion Mensch, die das Projekt förderte.

Das Ensemble aus den 12 Schauspielerinnen und Schauspielern mit und ohne Behinderung hatte sich an acht Abenden und vergangenen Samstag auf ihren Auftritt vorbereitet. Mit großem Erfolg, wie der lang anhaltende Applaus am Ende ihres Auftritts zeigte. Eliane Schönberg, beim Bezirk Schwaben für die Offenen Behindertendienste zuständig, war begeistert von dem harmonischen Zusammenwirken. „Das ist ein Musterbeispiel für ein inklusives Projekt“, sagte sie. Auch die bayerische Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr war von der Aufführung angetan. „Es war ein wunderbares Stück, bei dem die Grenzen zwischen Behinderung und Nichtbehinderung zerfließen.“ Für die neue Öffentlichkeitsreferentin von Eukitea war die Aufführung „irrsinnig berührend.“

Wer das Stück sich nicht entgehen lassen möchte, den lädt Eukitea am Samstag, 14. Juli 2012, um 17.30 Uhr im Eukitea im Rahmen der Workshop-Präsentationen nach Diedorf ein.

 

Kontakt und Info:
Theater Eukitea
Lindenstraße 18b
86420 Diedorf

Tel. 08238 964743-0
E-Mail: info@eukitea.de
www.eukitea.de

 

Für Firmen entsteht keinerlei Risiko

 

Aichach, 12.02.2014 ( pca ). Er ist eigentlich nie krank, will, ja muss arbeiten, um sich gut zu fühlen, und hat nichts dagegen, den ganzen Tag im Freien zu arbeiten. Das sind alles perfekte Voraussetzungen für einen guten Arbeitsplatz, die Thomas Friedl mitbringt. Doch erst jetzt kann der 33-jährige Aichacher seine Talente, Eignungen und Neigungen in eine Arbeitsstelle einbringen. Die Aichacher Firma Hecken Hutzler für Garten- und Landschaftsbau hat ihm eine Arbeitsstelle angeboten. So normal, wie sich das anhört, ist es aber nicht. Friedl hat nämlich wegen seiner Einschränkungen zuvor in den Ulrichswerkstätten Aichach in der Leichtmontage und als eifriger Hilfshausmeister mitgearbeitet.

Werkstattbeschäftigte hatten früher auf dem Ersten Arbeitsmarkt eigentlich keine Chance. Die politischen und ­gesetzlichen Vorgaben waren erfüllt, wenn sie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung einen für sie passenden Arbeitsplatz hatten. Mit der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich dies geändert. Jetzt gilt es, Möglichkeiten und Wege für eine gleichberechtigte aktive Teilhabe am normalen Leben zu schaffen. Das ­betrifft auch den Arbeitsmarkt. Dass nicht jeder Mensch mit ­einer Behinderung für den ersten Arbeitsmarkt geeignet ist, ist kein ­Geheimnis. Aber es gibt einige, die dort gut mitarbeiten können, aber Betreuung und Begleitung an diesem Arbeitsplatz brauchen. So wurde das Angebot der „Ausgelagerten ­Arbeitsplätze“ bzw. ­„Außenarbeitsplätze“ ­geschaffen.

Für die Firmen entsteht keinerlei Risiko. Diese neuen Mitarbeiter behalten nämlich ihren Beschäftigungsvertrag mit den Werkstätten. Außer es wird nach einer bestimmten Zeit anderes vereinbart. Die Werkstätten halten ­regelmäßig – anfangs häufiger, später aber mindestens einmal im Monat – Kontakt mit dem Betreuten in der Firma, mit deren ­Beschäftigten und Chefs, so dass die sozial­pädagogische Beratung und ­Unterstützung stets gewährleistet ist. Für den Aichacher Raum ist Johannes Kuderna verantwortlich.

Friedl hatte anfangs Schwierigkeiten bei der Firma Hecken- Hutzler . Das lag nicht an den Kollegen. Bei der Pflanzenpflege war er anfangs unbeholfen. Wenn der Rasenmäher abstarb, wusste er ­anfänglich nicht mehr weiter und tat sich schwer, dies schnell zu lernen. Thomas Hutzler , der Firmenchef, verfolgt hierbei klare Prinzipien. „Wir können da keine 1:1-Betreuung abstellen“, sagte er. Deshalb rief er Kuderna an, um mit ihm über seine Bedenken zu sprechen. Kuderna tat dann das, was zum Konzept der Außenarbeitsplätze gehört. „Wir lassen weder den Betreuten, noch die Firma allein.“ Kuderna begleitete dann zwei Wochen lang Friedl bei der Arbeit und studierte mit ihm all die Fertigkeiten ein, die er brauchte. „Jetzt passt es“, so auch Hutzler . Stolz ist er auch auf seinen Mitarbeiterstamm. „Da gibt es keinerlei Diskriminierung.“

Auch Eva Burkhard (21) hat einen ­Außenarbeitsplatz gefunden. Jeden Dienstag arbeitet sie nun im Integrativen Kinderhaus der Lebenshilfe in Aichach. „Für uns war es keine Frage, ihr diese Möglichkeit zu bieten“, sagt der Heilerziehungspfleger Martin Sprenzl . Gemeinsam mit seiner Gruppenleiterin, der Heilpädagogin Kati Herrmann, haben sie Burkhard Schritt für Schritt an ihre Aufgaben herangeführt. „Sie lernt bei uns, selbst Verantwortung zu übernehmen.“ So übertrug man ihr ­bestimmte einzelne Aufgaben. Sie muss den Gruppenraum für die Kinder vorbereiten und zum Beispiel die Stühle ­herunterstellen. Sie hilft bei der Brotzeit und passt beim Zähneputzen auf. Besonderen Spaß macht es ihr, mit den Kindern zu spielen. „Eva ist lustig und macht gerne Späße“, erzählt Sprenzl . „Auch hat sie ein gutes Einfühlungsvermögen für Kinder.“ Und wie geht es ihr dabei? „Mir gefällt es hier sehr gut“, sagt sie.

Eine ganz andere Fähigkeit bringt Johann Tyroller in seinen Arbeitsplatz als Verwaltungskraft mit. Tyroller hatte mit 25 Jahren einen Tumor. Seitdem kann er nicht mehr gehen, auch seine Arme nicht nutzen und er braucht ­einen Zwerchfellschrittmacher, weil seine Lungen nicht selbständig atmen.

Sein „eigentliches“ Problem aber, so der heute 56-jährige Tyroller humorvoll, sei sein bayerischer Dialekt. Er nutzt nämlich eine Sprachsteuerung für seinen Computer. „Die Software versteht aber nur Hochdeutsch.“ Von Montag bis Freitag fährt er mit seinem Betreuer für vier Stunden zum Haus St. Vinzenz, einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderung. Dort hat er sein Büro. Er schreibt Dienstpläne und Listen und kümmert sich um den Schriftverkehr mit den Krankenkassen. Privat ist er manchmal für Vereine als Journalist unterwegs.

Tyroller ist dankbar für seine Arbeit. „Ich bin begeistert“, erzählt er, auch weil er und seine Arbeit „voll anerkannt“ würden. „Das gibt mir ein gutes Selbstwertgefühl. Ich habe eine Aufgabe, ich habe eine Pflicht zu erfüllen.“ Zudem komme er raus unter andere Menschen.

Robert Winzer, Leiter der Ulrichswerkstätten Aichach, erkennt genau darin, einen großen Vorteil der „Außenarbeitsplätze“. „Sie kommen raus und lernen andere Menschen kennen. Sie erfahren Wertschätzung, ihr Selbstwertgefühl, aber auch ihre soziale Kompetenz werden gestärkt.“ Und die Firmen, die sich bereit erklären, einen Menschen mit ­Behinderung auf einem Außenarbeitsplatz zu beschäftigen, „gewinnen Mitarbeiter, die Spaß an der Arbeit haben und auch sehr fleißig sind“.

 

Info und Kontakt:
Dipl.- Soz.päd . (FH) Tanja Güntner
Bildungsbegleiterin und
Qualifizierungsbeauftragte
Ulrichswerkstätten Augsburg
CAB Caritas Augsburg Betriebs­träger gGmbH
Ressort Behindertenhilfe
Hanreiweg 9
86153 Augsburg
Tel. 0821 / 5606-212
E-Mail:   t.guentner@cab-b.de

 

Johannes Kuderna
Ulrichswerkstätten Aichach
Sozialdienst/Qualifizierungsbeauftragter

Flurstraße 52
86551 Aichach

Tel. 08251 8762-116

E-Mail: j.kuderna@cab-b.de

Dipl.- Soz.päd . (FH) Julia Endris
Bezirk Schwaben
Sozialverwaltung
Hafnerberg 10
86152 Augsburg
Tel. 0821 3101-4189
E-Mail: julia.endris@bezirk-schwaben.de

"Verstanden?!" dank bildlich-naiver Sprache der Piktogramme

 

Augsburg, 28.2.2011 (pca). Piktogramme, vereinfachte bildliche Ausdrucksformen, ermöglichen eine verbesserte   Kommunikation zwischen Menschen, die aufgrund einer Behinderung nicht sprechen oder lesen können, und jenen Menschen ohne Behinderung. So bilden sie einen Kernbestandteil der Unterstützten Kommunikation. Aus der Arbeit der Ulrichswerkstätten Augsburg (UWA) der Caritas sind sie nicht mehr wegzudenken. Carina Linnemann, Kristof Spreckelmayer, Monika Brandl und Brigitta Schöpf haben bei einem Malprojekt die bildlich-naive Sprache der Piktogramme aufgegriffen und sie dazu genutzt, Themen malerisch umzusetzen, die sie selbst bewegen. Carina Lünnemann malte einen Wellensittich und ein Stachelschwein. Sie will damit sagen, „dass man Freunde sein kann, auch wenn man ganz anders ausschaut.“ Für Kristof Spreckelmayer war es eine Herausforderung, sein Bild von Augsburg mit den Straßenbahnen und seine Begeisterung für den FCA auf ein 40cm mal 40 cm großes Bild zu bannen. Monika Brandl wollte mit ihren Bildern vom Brautpaar und dem Kind mit dem Teddybär zum Ausdruck bringen, „dass man gut miteinander auskommen muss“. Die Mitarbeiterin der UWA, Christine Lampe, hat das Projekt begleitet. Unter dem Titel „Verstanden?!“ zeigen nun die UWA und die Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation der Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, zu der die UWA gehören, bis zum 25. April 2011 die 14 Bilder im „Café am Milchberg“ (Am Milchberg 12) bei St. Ulrich.

 

"Da zerfließen die Grenzen"

 

Diedorf, 21.5.2012 ( pca ).   „Man muss es mit offenem Herzen tun und dann ist alles einfach.“ Was aus diesen Worten des Schauspielers und Projektleiters   Giorgio Buraggi entstehen kann, das konnte leider nur ein geladener Kreis am späten Sonntag Nachmittag im Internationalen Theaterhaus Eukitea in Diedorf erleben. 12 erwachsene Menschen mit und ohne Behinderung boten eine runde Stunde lang ein szenisches Ausdruckstheater, das die Zuschauer tief beeindruckte.

Das Theaterstück begann mit einer Begrüßungsszene aus einem einzelnen Hallo, das übersprang in übersprühende Begrüßungen aller Schauspielerinnen und Schauspieler miteinander. Wer meinte, das wilde Durcheinander könne nicht eingebremst werden, täuschte sich. Mit feinem Gespür und Gehör füreinander stoppte der wilde Reigen schlagartig, bevor er wieder von Neuem begann. Es folgten Szenen, die davon erzählten, wie Vertrauen zueinander durch einen feinfühligen Umgang miteinander gedeihen kann, oder dass bei einem Streit gegeneinander sich bekanntlich am meisten der Dritte freut.

Das Marionettenspiel, bei dem ein Schauspieler den anderen mit einem nur gedachten Faden in Bewegung setzt, ließ erahnen, wie sehr die Schauspielerinnen und Schauspieler mit und ohne Behinderung gelernt hatten, auf die kleinsten Bewegungen des anderen zu achten. Am Ende spielten das Schauspieler Ensemble nahezu gleichnishaft vor, was es heißt, dieselben   Wörter im Mund zu führen, aber nicht im Gleichklang zu sprechen. Hamlets Monolog „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“ aus der gleichnamigen Tragödie Hamlet von William Shakespeare entwickelte sich zu einem verwirrenden Sprechklang. Als einer nach dem anderen schwieg und sich um die Kerze in der Mitte der Bühne scharte und nur noch eine Schauspielerin sprach, dann erst gewann die Aussage Hamlets ihren klaren Klang.

Die Idee zu diesem inklusiven Theater hatte der Dienst der Offenen Behindertenarbeit (OBA) des Caritasverbandes für den Landkreis Augsburg . Es sollte gezeigt werden, dass Teilhabe, Inklusion also, sich nicht nur auf die Arbeit, die Mobilität und das Wohnen beschränkt. Individuelle Entfaltung und künstlerische Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen sollten mit hinein genommen werden, so Dieter Demel, der Leiter der OBA. Umgesetzt konnte die Idee aber nur dank der Leitung von Eukitea , die davon begeistert war, und der Aktion Mensch, die das Projekt förderte.

Das Ensemble aus den 12 Schauspielerinnen und Schauspielern mit und ohne Behinderung hatte sich an acht Abenden und vergangenen Samstag auf ihren Auftritt vorbereitet. Mit großem Erfolg, wie der lang anhaltende Applaus am Ende ihres Auftritts zeigte. Eliane Schönberg, beim Bezirk Schwaben für die Offenen Behindertendienste zuständig, war begeistert von dem harmonischen Zusammenwirken. „Das ist ein Musterbeispiel für ein inklusives Projekt“, sagte sie. Auch die bayerische Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr war von der Aufführung angetan. „Es war ein wunderbares Stück, bei dem die Grenzen zwischen Behinderung und Nichtbehinderung zerfließen.“ Für die neue Öffentlichkeitsreferentin von Eukitea war die Aufführung „irrsinnig berührend.“

Wer das Stück sich nicht entgehen lassen möchte, den lädt Eukitea am Samstag, 14. Juli 2012, um 17.30 Uhr im Eukitea im Rahmen der Workshop-Präsentationen nach Diedorf ein.

 

Kontakt und Info:
Theater Eukitea
Lindenstraße 18b
86420 Diedorf

Tel. 08238 964743-0
E-Mail: info@eukitea.de
www.eukitea.de

 

Wenn Trauer Menschen mit Behinderungen erfasst

Aichach, 14.03.2013 (pca). Sabine N. (42) ist aus ihrer Welt herausgefallen. Ihre Mutter hatte schon mehrere Tage nicht mehr mit ihr gesprochen. Sie litt an Krebs im Endstadium. Und dann brachte ihr Vater seine Frau ins Krankenhaus, wo sie ein paar Tage später verstarb. „Mama war böse zu mir. Sie hat nicht mit mir gesprochen, obwohl wir das immer gemacht haben, wenn ich nach Hause kam. Und Papa ist gemein, weil er Mama ins Krankenhaus brachte, wo meine Mama dann sterben musste.“ Sabines Welt war nicht mehr wie zuvor. Sie fiel in eine tiefe Trauer. Und sie war zornig auf ihre Eltern.

Sabine N. heißt eigentlich anders. Der Name steht aber für ein Beispiel eines Menschen mit geistiger Behinderung, der mit dem Tod einer sehr nahe stehenden Person anders umgeht, als man es langläufig von einem Menschen ohne Behinderung erwartet. Das Problem ist der Caritas und den Einrichtungen der Behindertenhilfe in der Caritas nicht unbekannt. Die Ulrichswerkstätten der Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH in Aichach haben deshalb schon vor einiger Zeit einen Trauerkreis ins Leben gerufen. Pauline Widmann ist dort für die Seelsorgearbeit und damit für die Trauerbegleitung zuständig.

Die Aufgabe ist ihr zugewachsen. Es hatte damit angefangen, dass Peter Naßl, Gruppenleiter in der Leichtmontage, sich einmal mit einem Trauerfall überfordert fühlte. „Eine Betreute war in ihrer Trauer so gefangen, dass sie von nichts anderem mehr sprach und sich völlig aus der Gruppe zurückzog.“ Widmann nahm sich dann ihrer an. Das war vor drei Jahren. Naßl unterstützt auch heute noch Widmann in ihrer Arbeit. Aber auch die anderen Gruppenleiter in den Aichacher Ulrichswerkstätten wenden sich an sie, wenn ein Todesfall vorliegt und eine betroffene betreute Person sich schwer damit tut.

Trauern denn Menschen mit geistigen Behinderungen anders trauern als Menschen ohne Behinderungen? Nein und ja, sagen Widmann und Naßl zur Antwort. Nein, weil auch Menschen ohne Behinderungen völlig unterschiedlich trauern und je ihren eigenen Weg der Trauer gehen. Nach einem Wort des Wiener Psychologen und Traumatherapeuten Robert Kachler sei Trauer „ein anderes Wort für Liebe. „Und Menschen mit geistigen Behinderungen empfinden Liebe genauso wie wir“, so Widmann. Ja, weil Menschen mit Behinderungen oft weniger Kräfte hätten und deshalb mit ihrer Trauer schlechter zurecht kommen.  

Jeder Mensch reagiert eigentlich auf vier unterschiedliche Art und Weisen auf einen Trauerfall. Mancher reagiert gefühlsbetont. Andere versuchen, die Situation vom Verstand her rational im Griff zu haben, wiederum andere reagieren „handlungsorientiert“ und stürzen sich z.B. in Arbeit. Und da gibt es auch solche, die die Trauer dadurch kontrollieren wollen und zum Teil auch können, indem sie das Thema grundsätzlich vermeiden.

Als eine Gruppenleiterin sie auf einen Betreuten hinwies, der nach einem Trauerfall in seiner Familie nur noch arbeiten wollte, reagierte Widmann eher gelassen. „Lass ihn, er braucht das jetzt.“ Jede Seele suche sich seinen Weg, wie sie mit der Trauer fertig werde. Andere zum Beispiel könnten gar nicht mehr arbeiten.

Das war auch bei Sabine N. so. Sie wollte nicht mehr arbeiten und reagierte gefühlsbetont zornig auf ihren Vater. Auch wenn sie vom Alter her schon lange erwachsen, so ist sie kognitiv wegen einer stark ausgeprägten geistigen Behinderung auf dem Stand eines vier- bis fünfjährigen Kindes. „Aber sie hat verstanden, dass ihre Mutter nicht mehr wieder kommt und tot ist. Was ihre Trauer betrifft, ist sie also viel weiter entwickelt als ein Kind“, erläutert Widmann.

Sabine N. konnte schließlich den Weg ihrer Trauer gehen. Widmann lehnt es ab von „Trauerarbeit“ zu sprechen. „Ich bin nur Wegbegleiter.“ Bei ihren ‚Begleitungen’ kristallisierte sich für sie immer mehr der eigentliche Unterschied zwischen Menschen ohne geistige und Menschen mit geistiger Behinderung heraus. Nach dem deutschen Psychologen und geistigen Vater der Integrativen Therapie, Hilarion Gottfried Petzold, stütze sich das Leben des Menschen auf den fünf Säulen der Werte, der materiellen Sicherheit, des sozialen Netzwerkes, der Arbeit und Leistung wie auch der Körperlichkeit. Tritt eine Krise ein, wackle nicht nur eine Säule, sondern diese stoße die anderen Säulen an. Bei Menschen mit Behinderungen, so Widmann, seien oft weniger Ressourcen in den einzelnen Säulen vorhanden. So können die Säulen auch leichter ins Wanken geraten. „Das ist der eigentliche Unterschied.“

Die Trauerbegleitung in den Aichacher Ulrichswerkstätten will deshalb diese Ressourcen stärken. Als erstes müsse man aber der Trauer und den Ausdrucksformen der Menschen mit Behinderungen ihren Raum geben. „Das geschieht bei uns. Dafür sind wir sehr dankbar“, lobt Widmann ihren Arbeitgeber. Trauerfeiern werden gehalten für verstorbene Betreute und Kollegen. Besondere Trauerrituale werden in den einzelnen Gruppen gepflegt. Man stellt dort Fotos der Verstorbenen für eine bestimmte Zeit auf. Und dann hängt noch die große Gedenktafel im Gemeinschaftsraum.

Alle zwei Wochen treffen sich jeden Mittwoch durchschnittlich fünf bis sieben Betreute für 45 bis 60 Minuten in der Trauergruppe. Jedes Mal brennt dort eine Kerze als Zeichen für das Licht, „das in uns für den verstorbenen Menschen brennt“, erzählt Widmann. Dann folgen Atemübungen. Die dritte Einheit bildet dann das offene Gespräch. „Jeder kann erzählen, wie es ihm ergangen ist, was ihn belastet, aber auch was schön war.“ Doch das ist nicht immer so einfach. Also setzt Widmann Impulse. Sie lässt malen, Fotos aussuchen, stellt Orff-Instrumente bereit. Das erleichtert den betroffenen Personen, sich in „ihrer“ Form auszudrücken. 

Stets wird dabei geschaut, wie bei den Einzelnen die Ressourcen in den fünf Säulen wieder gestärkt werden können. Mit Hilfe eines großen Blattes mit Piktogrammen, die Menschen zeigen, erarbeitet Widmann gemeinsam mit der trauernden Person das gesamte Beziehungsfeld. „Und zumeist stellt sich dabei heraus, dass eine ganze Reihe von netten Menschen zu dem sozialen Netzwerk gehören.“ Durch die Trauerfeier will sie den Glauben und die ‚Werte’ stützen. Mit den Atemübungen soll die Körperlichkeit gestärkt werden.

Doch es gibt Grenzen. Wenn zu viele Risikofaktoren wie z.B. eine besonders tragische Todesart wie Mord, Unfall oder Suizid bzw. eine schwierige Beziehung zwischen der verstorbenen und der trauernden Person auftreten, gibt Widmann den Fall an Stellen mit entsprechender Ausbildung weiter. Ebenso ist sie dazu verpflichtet, wenn eine Suizidgefährdung sich abzeichnet, den „Fall“ an einen Psychiater weiterzureichen.  

Naßl und Widmann wissen, dass sie der Trauerbegleitung nicht aus dem Weg gehen können. Die insgesamt 221 Betreuten werden älter und mit ihnen deren Eltern. „Wir werden künftig stärker mit dem Tod der Eltern, aber auch der Betreuten konfrontiert sein.“ Dieses Thema an den Rand zu drücken, sei ohnehin unmöglich. Und das ist ebenfalls ein großer Unterschied zu den Menschen ohne Behinderung. Menschen mit Behinderungen seien ehrlich mit ihrer Trauer. „Und sie gehen Trauernden nicht aus dem Weg“, sagt Naßl, „wie wir es vielleicht tun, weil wir Angst haben, nicht zu wissen, was man sagen soll.“