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Stand: 29.11.2017

Pressemitteilung

Augsburg

In Augsburg wird Berufsausbildung für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt

 Das Übersetzen übernehmen Menschen ohne kognitive Einschränkungen, prüfen können hingegen nur die, die aus eigener Betroffenheit wissen, was für sie verständlich ist. Leichte Sprache zu prüfen verlangt also eine eigene Kompetenz. Daraus wollen nun das Netzwerk Leichte Sprache und die CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH eine Berufsausbildung zur Fachkraft Leichte Sprache entwickeln.

Dieses Pilotprojekt mit einem Gesamtkostenaufwand von über 2,8 Mio. Euro fördert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit 2,6 Mio. Euro aus dem Ausgleichsfonds. 2018 wird es in Augsburg und Berlin starten. In Augsburg stellten nun Mitarbeiter des Fachzentrums Leichte Sprache der CAB und Betroffene das Projekt vor. In vier Jahren soll die berufliche Qualifizierungsmaßnahme inhaltlich und organisatorisch entwickelt, dann mit 12 Menschen mit Lernschwierigkeiten praktisch durchgeführt werden. Dazu werden auch Praktikumsplätze erforderlich sein. Absichtserklärungen, das Pilotprojekt unterstützen zu wollen, liegen bereits vor. Darunter finden sich der Landescaritasverband Bayern, der Bezirk Schwaben, die Stadt Augsburg, die Agentur für Arbeit, das Bundesinstitut für Berufliche (BIBB), die IHK Schwaben und der CBP Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V.

Am Ende des vierjährigen Projektes soll dann eine generalisierte Handreichung zu dieser Fachkraftausbildung Leichte Sprache vorliegen, die bundesweit von Bildungsträgern übernommen werden könnte, um die Ausbildung zur Fachkraft vor Ort durchzuführen. Wenn das Pilotprojekt 2021 endet, hofft man, dass alle 12 Absolventinnen und Absolventen einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt finden werden. Um das Projekt stemmen zu können, werden sieben Mitarbeiter in Augsburg, Hauptsitz des Pilotprojektes, und vier in Berlin beschäftigt. Darunter auch Betroffene, das heißt Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

Herbert Kratzer, Verwaltungsleiter der CAB, und Christine Borucker, Leiterin des Fachzentrums, machten bei der Vorstellung des Pilotprojekts deutlich, wie wichtig eine „verständliche Kommunikation“ durch „verständliche Sprache“ für die Kommunikation und die Inklusion ist. Dass es dabei ganz wesentlich auf den Beitrag der Menschen mit kognitiven Einschränkungen ankommt, das brachte die Prüferin Sabrina Scholl ganz deutlich auf den Punkt. „Man braucht uns dazu. Wir können nämlich wirklich prüfen, ob die Texte verständlich sind. Menschen ohne Lernschwierigkeiten können das nicht, weil sie alles verstehen.“ Sie wünscht sich nun mit ihren Kolleginnen Maria Hütter und Tanja Greisl, dass ihre Arbeit als „Experten für Leichte Sprache“ anerkannt wird und sie auch eine entsprechende anerkannte Berufsausbildung erhalten.

2013 hatte das Netzwerk Leichte Sprache, das in allen europäischen deutschsprachen Ländern vertreten ist, erstmalig die Idee, diese Berufsausbildung entwickeln zu wollen. Sehr schnell wurde klar, dass dafür ein Träger als Partner gebraucht wird. Dafür konnte die CAB gewonnen werden, die seit nunmehr gut zehn Jahren mit vielen Eigenmitteln die Unterstützte Kommunikation und damit die Leichte Sprache bei sich gefördert hat. Das Fachzentrum Leichte Sprache der CAB kann auch jahrelange Erfahrung in der Übersetzungsarbeit und Prüfung zurückblicken. Sie stellt auch bislang dafür Menschen mit Behinderungen in ihren Werkstätten dafür frei.