Augsburg, 17.07.2008 ( pca ) . Eine junge Frau steht mit geschlossenen Beinen da, die Schultern sind leicht nach vorne gebeugt, der Kopf ist gesenkt, ein direkter Blickkontakt in das Gesicht des Gegenübers wird vermieden. Ihr Signal an andere ist eindeutig: sie hat ein geringes Selbstbewusstsein und vor allem wird sie sich kaum wehren, wenn sie bedrängt wird. „Für manche Männer wirkt das wie eine Einladung“, sagt Anita Werner vom Caritasverband für die Diözese Augsburg. Bei Mädchen komme noch hinzu, dass sie selten um Hilfe schreien und weglaufen, sondern stehen bleiben und stumm verharren, wenn sie belästigt werden. „Dass kann man ändern“, so Werner, die ausgebildete Selbstbehauptungstrainerin für Mädchen ist.
Junge Frauen aus dem Augsburger Caritas-Projekt „Freiwillige Hauswirtschafts- und Familienhilfe“ (FHF) haben deshalb ihr Angebot sehr gerne aufgegriffen, einen Selbstbehauptungskurs mitzumachen. „Das war eine tolle Idee und ist eine sehr gute Hilfe für die Teilnehmerinnen“, so die Leiterin des FHF-Projektes Marita Ertel-Süss . „Die Teilnehmerinnern haben aufgrund ihrer persönlichen Geschichte mit den unterschiedlichsten Schwierigkeiten und Problemen fast immer eines gemeinsam: sie haben kein bzw. kaum Selbstvertrauen.“
An vier Nachmittagen lernen nun sieben junge Frauen, wie sie sich selber helfen bzw. verteidigen können. Dazu gehört zum Beispiel die schlichte Erkenntnis, sich auch ohne Hilfsmittel wehren zu können – sei es durch Schreien oder durch einen Fußtritt. „Das muss ‚ frau ’ einmal gemacht bzw. geübt haben, um das zu wissen“, so Werner. Schlagübungen kamen hinzu. Auch hier zeigt sich ein klarer Unterschied zu Männern. Frauen schlagen am besten mit der flachen Hand, weil sie hierbei viel mehr Kraft entfalten als bei einem Faustschlag. Der Mann hingegen kann genauso viel Wucht in einen Faustschlag legen. Auf dem Programm standen auch die Maßnahmen gegen einen „ Disko-Anmachgriff “. Die Frau kann sich ganz einfach wehren. Sie drückt mit ihrem Handballen gegen den Unterkiefer des Mannes und dreht damit dessen Kopf von sich weg. „Durch einen Schockschlag – hier ein Tritt mit der Ferse auf den Fuß des Mannes - kann die Abwehr verstärkt werden und der Gegner leichter auf Distanz gebracht werden“, so Werner. „Wichtig ist es, anschließend den ‚Tatort’ zu verlassen, wegzugehen und den Schutz der eigene oder einer fremden Gruppe zu suchen.“
Annette Berg (18) (Name wurde von der Redaktion geändert) macht der Kurs viel Freude. „Ich kann hier viel lernen“, sagt sie und ist froh darüber. Sie musste bereits negative Erfahrungen machen. Andere Teilnehmerinnen wie zum Beispiel Yvonne Maier (17) (Name wurde von der Reaktion geändert) wollen erst gar nicht in diese Situation geraten, sind aber sehr zurückhaltend und schüchtern und deshalb gefährdet. „Dass sie nun von sich aus dieses Angebot des Kurses wahrnehmen, ist ein erster wichtiger Schritt zu mehr Selbstvertrauen“, so Ertel-Süss . Für sie ist das Ziel des Kurses mit dem des FHF-Projektes identisch. „Die jungen Frauen sollen lernen, dass man das Leben anpacken und trotz aller Schwierigkeiten auch gestalten kann. Das heißt auch, nein zu sagen bzw. sich zu wehren oder zu verteidigen, wenn man bedrängt oder bedroht wird.“