Caritasdirektor Müller: "Bundesregierung setzt Versorgung pflegebedürftiger Menschen aufs Spiel"
Augsburg, 10.07.2026 (pca). Die Caritas im Bistum Augsburg warnt vor den Folgen des von der Bundesregierung geplanten neuen Beitragssatzstabilisierungsgesetz für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). "Die Begrenzungen von Vergütungs- und Tarifsteigerungen im Rahmen der Kranken- und Pflegeversicherung müssen zurückgenommen werden", so der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller. Auch gegen die im Pflegeneuordnungsgesetz diskutierten Sparmaßnahmen erhebt er Widerspruch. "Damit setzt die Bundesregierung die Versorgung pflegebedürftiger Menschen und die Zukunft der Pflegebranche aufs Spiel".
"Wenn die öffentliche Hand die Tariftreue in Frage stellt und die Refinanzierung künftiger
Der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller fordert die Bundesregierung auf, die Begrenzungen von Vergütungs- und Tarifsteigerungen im Rahmen der Kranken- und Pflegeversicherung zurückzunehmen und die im Pflegeneuordnungsgesetz diskutieren Sparmaßnahmen neu zu diskutieren. Bernhard Gattner
Tarifsteigerungen in der Pflege einschränkt, gefährdet sie nicht nur die Attraktivität eines ohnehin stark belasteten Berufsfeldes. Wir müssten dann mittel- und langfristig Versorgungsangebote abbauen", erklärt der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Diakon Markus Müller. "Dies würde nicht nur die Gewinnung und Bindung von Pflegefachkräften erschweren." Die Folgen blieben dabei nicht nur auf Pflegebedürftige und deren Angehörige beschränkt. "Die Maßnahmen schaden auch der gesamten Wirtschaft."
Allein im Bistum Augsburg sind in ambulanten Diensten und stationären Einrichtungen mehr als 4.000 Mitarbeitende tätig. Sie versorgen und begleiten täglich über 10.000 ältere, kranke und hilfebedürftige Menschen. Diese Versorgung kann nur durch qualifiziertes und motiviertes Personal sichergestellt werden. Müller sieht einen grundlegenden Fehler in der aktuellen politischen Debatte: "Die Diskussion konzentriert sich fast ausschließlich auf die Finanzlage der Kranken- und Pflegeversicherung. Pflege wird dabei vor allem als Kostenfaktor betrachtet. Dabei wird übersehen, dass gute Pflege einen erheblichen gesellschaftlichen und auch volkswirtschaftlichen Nutzen stiftet."
Professionelle Pflege verhindert Stürze, Infektionen und vermeidet Druckgeschwüre mit nachfolgendem Dekubitus und weitere gesundheitliche Komplikationen. Sie reduziert Krankenhausaufenthalte, vermeidet kostspielige Folgebehandlungen und trägt dazu bei, die Selbstständigkeit pflegebedürftiger Menschen möglichst lange zu erhalten. Ambulante Pflegedienste helfen zudem, stationäre Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern oder ganz zu vermeiden.
Darüber hinaus entlasten ambulante und stationäre Pflege Millionen von Angehörigen. Viele können dadurch einer Erwerbstätigkeit weiterhin nachgehen und bleiben dem Arbeitsmarkt erhalten. Pflege sei deshalb, so Caritasdirektor Müller, weit mehr als nur eine soziale Leistung. "Mit einer Bruttowertschöpfung in Höhe von 45,5 Milliarden Euro ist sie auch ein wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor."
Für Müller ist deshalb klar: "Wer bei Pflegepersonal spart, spart an der Pflegequalität. Wer an der Pflegequalität spart, schadet den Pflegebedürftigen, ihren Familien und letztlich auch der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unseres Landes."
Der Caritasverband für die Diözese Augsburg appelliert daher an die Bundesregierung, die laufenden Gesetzgebungsverfahren so auszugestalten, dass Tarifbindung, Fachkräftesicherung und eine qualitativ hochwertige Versorgung nicht gefährdet werden.