Caritas warnt vor Abwärtsspirale durch Suchtpotenzial und fordert klare Regeln
Augsburg, 12.06.2026 (pca). Er galt unter Freunden als der Top-Sportler, der jede Regel im Fußball kannte. "Der kennt sich aus, besser als jeder Schiedsrichter auf dem Feld", hieß es in seinem Freundeskreis. "Er vergisst kein Spiel." Doch seit Monaten schweigt der 24-jährige Mann. "Er hat sich aus gutem Grund zurückgezogen", sagt Barbara Ballinger-Amtmann, Suchttherapeutin beim Diözesanverband der Caritas in Augsburg. "Er hat eine Glücksspielabhängigkeit entwickelt. Nicht zuletzt dank seiner Freundin hat er nun die Notbremse gezogen."
Die Deutsche Caritas warnt wie der Augsburger Diözesanverband kurz vor der Fußball-WM vor den Gefahren der Sportwetten. Nicht ohne Grund: Wer spielt, wolle am Ball bleiben. Jedes Spiel wird verfolgt, angeschaut. Die Folgen: Der Schlaf nimmt ab, die Konzentration lässt nach, die Leistungsfähigkeit sinkt, Beziehungen, ob im Freundeskreis oder in der Arbeit leiden darunter, erst recht in einer Partnerschaft. Der Leidensdruck wächst. Die psychische Gesundheit gerät ins Wanken. Eine Abwärtsspirale beginnt: "Und dann kommt noch die Verschuldung hinzu", ergänzt Ballinger-Amtmann, die dann oft ganze Familien treffe.
Glückspiel-Abhängigkeit nimmt zu
Anfangs machte sich der junge Mann keine Gedanken, als er sich auf Sportwetten einließ. "Ich kenne mich ja aus." Genau diese Selbsteinschätzung ist gleichzeitig oft verhängnisvoll. "Sport und Sportwetten sind nicht eins. Es geht hier nicht um Wissen, oder Kompetenz. Sportwetten sind vom Zufall abhängig. Und wo der Zufall bestimmt, geht es um Glücksspiel", so Expertin Ballinger-Amtmann.
Laut Caritas ist ein Anstieg der Zahl der Betroffenen zu beobachten. Die Suchttherapeutin wundert sich nicht, dass immer mehr Klienten in die Beratungsstelle der Caritas für Suchtfragen kommen. Die Anbieter der Sportwetten werben mit Emotionen, die Sportbegeisterte sofort ansprechen. Sie appellieren an deren Bindung an "ihre" Mannschaft, sprechen gezielt das Gemeinschaftsbewusstsein unter Fans an und adressieren ihre Kunden als "kompetente Mitstreiter". "Auf diese Weise schwimmt die Werbung für Sportwetten auf allen digitalen Kanälen in die Mitte unserer Gesellschaft hinein, als wäre alles bestens." Doch was fehle, ist "ein gutes Empfinden für das Gefahrenpotential", so Ballinger-Amtmann.
Caritas fordert Aufklärung und strengere Regeln
Sportwetten sind "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen, das Gefahrenpotential ist aber viel zu wenig bewusst. Damit das Fußballfieber nicht in Sucht mündet, fordert die Caritas strengere Regeln für Sportwetten. Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Suchthilfe der Caritas (BAG CaSu) tritt sie vor der Fußball-WM für strengere Jugendschutz- und Alterskontrollen für Sportwetten und ein umfassendes Werbeverbot ein.
Diakon Markus Müller, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg: "Sportwetten sind Glückspiele, nichts Anderes. Wir brauchen mehr Aufklärung und klare Begrenzungen für die Bewerbung von Sportwetten. Die Zugänge sind für die Spieler zu einfach, gerade auf Onlineplattformen,"
Ballinger-Amtmann kann bislang mit ihren Kolleginnen und Kollegen der insgesamt 11 Suchtfachambulanzen der Caritas im Bistum Augsburg nur immer wieder sagen: "Schaut genau hin und handelt bewusst!" Und wenn man es doch einmal mit der Wette versuche, "dann redet mit Freundinnen und Freunden darüber. Schaut Euch an, was wirklich passiert!"
Info; Aufklärungsangebote und Kontakt:
Caritas Suchtfachambulanz Augsburg-Stadt
Auf dem Kreuz 47, 86152 Augsburg
Tel.: 0821 3156 432
E-Mail: suchtfachambulanz.augsburg@caritas-augsburg.de