Baschenegg
, 18.06.2009 (
pca
).
Seit 90 Jahren besteht nun das Marienheim
Baschenegg
am Ortsrand von
Ustersbach
. 1919 hatte es der Christliche
Kinder- und Jugendhilfeverein gegründet. Heute ist es ein Kinder- und
Jugendheim mit 48 genehmigten Plätzen, das übrigens Mitglied im Caritasverband
ist. An diesem Samstag soll dieses Jubiläum mit einem bunten Sommerfest
gefeiert werden. Schwester Gudrun Reichart von den Dillinger Franziskanerinnen,
die das Haus seit seiner Gründung leiten,
baut auf schönes Wetter. „Die Kinder und
Jugendlichen, aber auch unsere Einrichtung selbst hätten es jedenfalls
verdient“, meint die heutige Leiterin Schwester Gudrun.
Auf eine reiche Geschichte kann das
Marienheim zurückblicken. „Reich deshalb, weil unser Marienheim den Säuglingen,
Kindern und Jugendlichen eine Familie sein konnte und kann, die niemals richtig
gewollt und geliebt wurden.“
1919 kümmerten sich die Ordensschwestern
zunächst im Marienheim um Straßenkinder aus Augsburg. Dann sorgten sie sich um die
unehelichen Kinder von Mägden. Im zweiten Weltkrieg und danach wurden viele
Säuglinge von Vergewaltigungsopfern aufgenommen, aber auch die Kinder von schwarzen
US-Soldaten, die sich ihrer Verantwortung entzogen hatten. Die Kinder von in
Aichach inhaftierten Frauen fanden hier ebenso eine Heimat. „Heute kommen alle
Kinder durch das Jugendamt“, erzählt Schwester Gudrun. Gründe sind z. B. Verwahrlosung
oder Missbrauch, psychisch kranke oder suchtkranke Eltern.
„Jedes Kind kommt mit einem Trauma,
einem Rucksack von Problemen, von denen wir Gott sei Dank nur etwas erahnen
können“, so die Ordensschwester, die selbst Diplom-Sozialpädagogin und ausgebildete
Kindertherapeutin ist. Kommt ein Kind ins Haus, gelte es deshalb zunächst
herauszufinden, was es braucht und in welcher Gruppe es am besten aufgehoben
ist. Je zwölf Kinder sind in einer Gruppe. Drei gibt es im Marienheim, zudem
eine Säuglings- und
Im Kern bilden diese Gruppen eine
neue Familie. Da wird gemeinsam in den Wohngruppen gefrühstückt, zu Mittag und
zu Abend gegessen. Rechtzeitig am Morgen verlassen die Schulkinder das Haus und
strömen zu ihren Schulen. Nachmittags werden die jeweils benötigten Hilfen eingebaut.
Je nach Bedarf werden die Kinder und Jugendlichen von Marienheim zur
Logotherapie, Ergotherapie, zur heilpädagogischen Frühförderung oder
Kindertherapie, zur Krankengymnastik, zur Psychomotorischen Förderung, zur
Dialyse ins Krankenhaus oder zu einem Schulfreund gefahren. Die Zeit für die
Hausaufgaben ist ebenso fest eingeplant wie auch Lernförderung. Zudem sollen
die
Marienheimer
ihre
Hobbies
pflegen können dürfen.
Der familiäre Rahmen in den
Wohngruppen entfaltet offensichtlich seine eigene therapeutische Dynamik. „Das
Zusammenleben in einer Gruppe ist sehr vorteilhaft, weil die Kinder sehr wohl
dort voneinander lernen. Manchmal sind die Kinder bessere Therapeuten als wir“,
beobachtet Schwester Gudrun.
Der Kontakt zu den Eltern wird
keineswegs unterbrochen. In der Regel dürfen die Kinder jedes zweite Wochenende
nach Hause. Ein Drittel fährt regelmäßig heim. Alle anderen bleiben im Marienheim
und werden zum Teil von ihren Eltern besucht. Allerdings wird sehr genau
geprüft, ob der Kontakt zu den Eltern den Kindern tatsächlich gut tut. Das ist
aber nicht immer der Fall.
Die Kinder und Jugendlichen sind
immer wieder hin und her gerissen, denn „alle Kinder wollen zu ihren Eltern
zurück, egal was vorher passiert war“. Das sei normal. Da gelte es den Kindern
und Jugendlichen immer wieder einen klaren Blick für die Wahrheit zu geben. Die
Kinder und Jugendliche wüssten letztlich sehr genau zu unterscheiden zwischen
„hier daheim“ und „daheim
daheim
“. „Wir wollen, dass
unser Marienheim Heimat für die Kinder und Jugendlichen in der Zeit ist, in der
sie hier mit uns leben und heranwachsen“, hofft Schwester Gudrun mit ihren Mitschwestern
und
MitarbeiterInnen
.