Bobingen, 9.9.2011 (
pca
). Sie ist am Ende. Sie hat keine Kraft mehr, sie kann
nichts mehr anpacken und schläft nachts kaum noch. Ihre Freundinnen und
Kollegen verstehen sie nicht mehr, auch sie selbst versteht sich nicht mehr.
„Du warst doch immer die Lustigste von uns.“ Sie ist 60 Jahre alt. Vor über
einem Jahr ist ihr Mann nach langer schwerer Krankheit gestorben.
Die rüstige 60-jährige ist kein
Einzelfall. Vergleichbare Beispiele könnten auch von Männern erzählt werden.
Allen ist ihre tiefe Trauer um einen geliebten Menschen gemeinsam und dass
diese Trauer sie lähmt, sie in ihrer Vergangenheit festhält und ihr Leben
behindert. Manche werden depressiv oder denken an Selbstmord. Andere
brauchen wegen der „pathologischen Verhärtung“
ihrer Trauer eine stationäre Behandlung.
Die Ökumenische Hospizgruppe
Bobingen bietet aus diesem Grund Trauergespräche und
-begleitung an. Waltraud
Gewitsch
und
Ivanna
Heissler
von der
Hospizgruppe haben sich dafür eigens ausbilden lassen. Sie wissen aus
Erfahrung. Das Ende einer
hospizlichen
Begleitung
nach dem Tod eines schwerkranken geliebten Menschen ist erst der Anfang der
Trauerarbeit. „Die Angehörigen, insbesondere die Partner sind erschöpft.“ Viele
rufen dann bei uns an oder wir besuchen sie. „Wir hören ihnen zu, ermutigen sie
dazu, sich selbst nicht zu streng zu sehen und sich auch die Trauer zu erlauben“,
so Waltraud
Gewitsch
. Viele überrascht es, wenn wir
ihnen sagen, „dass es normal ist, in der Zeit der Trauer nicht mehr normal zu
sein.“ So die Hospizbegleiterin
Ivanna
Heissler
.
Manchen reicht das Gespräch aus. Andere
brauchen eine längere Begleitung. „Deshalb haben wir den Brunch am Sonntag
eingeführt“, so
Mirela
Wollner, die Vorsitzende der
Ökumenischen Hospizgruppe Bobingen. Jeden dritten Sonntag im Monat trifft sich
eine kleine Gruppe am Vormittag zum Brunch. Der Sonntag sei der „tote Tag“ für
viele Trauernde. An diesem Tag spüre man das Fehlen des Partners ganz besonders.
Auch könne man nicht durch Arbeit oder Einkaufen vor der Trauer flüchten. 12
trauernde Menschen nehmen das Angebot derzeit wahr. Das Angebot der
Einzelbegleitung nutzen über das Jahr hinweg 40 Trauernde.
Der Brunch beginnt mit einem
Impuls, damit alle Teilnehmer sich etwas leichter tun, innerlich ‚anzukommen’.
Dem schließt sich das offene Gespräch an. „Da muss man gar nicht viel sagen. Es
gilt, die Teilnehmer des Brunchs erzählen zu lassen“, meint
Heissler
.
Schon allein das helfe, weil die Trauernden
Trauernden
gegenüber sitzen, die selbst wissen, wie man sich fühlt und es einem geht, wenn
die Trauer den Menschen in Besitz nimmt. Da gibt es kein „Das hast du doch schon
so oft erzählt.“
Trauernde erfahren sich als
wertgeschätzte Menschen, weil sie ernst genommen werden und echtes Verständnis
erfahren. „Unsere Aufgabe als Trauerbegleiterinnen ist es nur, mit Wissen und
Einfühlen da zu sein, und dann, wenn jemand es braucht, auch ein Einzelgespräch
zu führen“, sagen die beiden Trauerbegleiterinnen.
Jeder muss für sich den Weg finden,
seine Trauer in den Griff zu bekommen. „Den einen richtigen Weg gibt es nicht.“
Davon ist die Vorsitzender der Hospizgruppe Wollner überzeugt. „Aber durch
Vertrauen und Wertschätzung kann es gelingen, dass der Mensch, der so tief und
fest in seiner Trauer gefangen ist, wieder sein inneres Licht, seine Stärken wieder
mehr und mehr erkennt und sie neu aktivieren kann.“
Die Trauer könne aber man auch niemandem
nehmen, „denn sie hört nie auf.“ Man könne sie zwar nicht aus dem Leben
verdrängen, aber man könne ihr einen Platz im Leben geben, der nicht mehr alles
bestimmt. „Wenn es mir gelingt, der Trauer diesen Platz zuzuweisen, dann kann
ich gestärkt daraus hervorgehen.“ Davon ist
Heissler
fest überzeugt.
Information:
Der Brunch für Trauernde findet
jeden 3. Sonntag im Monat von 10.00 Uhr bis 13.00.Uhr statt in den Räumen der
Ökumenischen Hospizgruppe Bobingen, Hochstraße 2, 86399 Bobingen, statt.
Vorinformation unter Tel. 08234 99 86 457 oder E-Mail
mail@hospizgruppe-bobingen.de
.