Augsburg, 20.05.2010 (
pca
). Sie blicken auf ein halbes Leben zurück, in dem sie
von einer Therapie zur anderen gewandert sind und viele unterschiedliche
Medikamente zu sich nehmen mussten. Und dennoch hatte ihre psychische Erkrankung
kein Ende gefunden. Viele von ihnen sind in die Alkoholabhängigkeit
abgerutscht, um die Folgen ihrer Erkrankung ertragen zu können, auch weil ihr
Umfeld sie nicht verstand und sie zunehmend allein ließ. Sie leiden an
Depressionen, Schizophrenien oder Folgeerkrankungen durch Missbrauch von Medikamenten,
Drogen oder Alkohol. Manche von ihnen ertragen es schon so lange, dass sie es nicht
mehr schaffen, im eigenen Haushalt zu leben, obwohl sie betreut und häuslich
versorgt werden. Sie benötigen eine pflegerische Versorgung im Sinn einer
Grund- und Behandlungspflege. Bislang gab es für sie keinen Platz in der stationären
Altenhilfe.
Bislang, denn das
Hörwick
hat seit über einem Jahr auf
dieses Ziel hingearbeitet. Er kann auf Erfahrungen seines Hauses verweisen. Es
leben derzeit 35 Menschen in St. Raphael, bei denen ein psychiatrisches
Krankheitsbild vorliegt, wenn auch nicht in extremer Ausprägung. „Wir wissen
aber aus vielen Gesprächen und Nachfragen, dass austherapierte, chronisch
psychisch erkrankte Menschen Pflegeplätze benötigen, die deren Bedürfnissen
gerecht werden.“ Eine Besonderheit ist zum Beispiel, dass psychisch Kranke,
besonders an Schizophrenien leidende Menschen sehr viel rauchen und sehr viel
Kaffee trinken. Der Grund: Nikotin und Kaffee mildern die Nebenwirkungen ihrer
Medikamente. In einem Altenheim darf man eigentlich aus feuerschutzrechtlichen
Gründen nicht rauchen. In der eigens hergerichteten Wohngruppe von St. Raphael ist
dem nicht so. Hier darf man rauchen. Besondere Brandschutzmaßnahmen wie zum
Beispiel eine Brandschutztür und eine gesonderte Lüftung wurden deshalb eigens
eingebaut. Die eigene Küche der Wohngruppe ermöglicht die eigenständige
Zubereitung von kleinen Mahlzeiten und eine eigene Geselligkeit.
Das Pflegeteam ist bestens vorbereitet. Die
Pflegedienstleitung Christine Vogt hat selbst einmal in der Psychiatrie und
einem Betreuungsbüro gearbeitet. Die Mitarbeiter werden regelmäßig in
Fachvorträgen auch zum Thema psychische Erkrankung fortgebildet. Die
Wohngruppenleitung in dem betreffenden Wohnbereich
Inna
Fischer ist nicht nur Pflege- und
gerontopsychiatrische
Fachkraft, sie hat auch die Gabe, selbst dann ruhig und gelassen zu bleiben,
wenn jemand schreit, die Beherrschung verliert oder andere akute
Verhaltensauffälligkeiten
zeigt. „Ruhe ist wesentlich für die Arbeit mit psychisch kranken Menschen“, so
Vogt. „Unser Ziel ist es ja, den betreffenden Menschen einen größtmöglichen
Freiraum für ihr
So-Sein
zu geben. Denn nur dann
schaffen wir es auch, dass sie sich bei uns wohl fühlen.“
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