Wenn der Caritasverband für die
Diözese Augsburg e.V. am Sonntag, 25. September 2011, seinen
Jubiläumsgottesdienst zu seinem 90. Geburtstag beim Caritas-Stadtverband feiert,
dann hat dies einen besonderen Grund. Der Diözesanverband ist nämlich aus dem
Stadtverband hervorgegangen. Jener wurde im März 1921 begründet, dieser schon
1915. Die vielfältige Not, insbesondere die Hungersnot im ganzen Land während
des Ersten Weltkrieges und danach, erforderten eine Koordinierung der
Caritasarbeit auf Bistumsebene.
Die Anfänge der praktischen Arbeit
sind eng mit dem des Stadtverbandes verbunden. Büro, Lagerung und Verteilung
der Lebensmittel- und Kleiderspenden aus der ganzen Diözese und nach dem Ende
des Weltkrieges auch aus den Vereinigten Staaten waren in der Jesuitengasse, in
dem Haus mit dem „Kleinen Goldenen Saal“ untergebracht. In dieser Zeit gab der
Diözesan-Caritasverband auch die Bistumszeitung heraus. 1926 zog der
Diözesan-Caritasverband mit seinen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in
das Gebäude an der
Volkartstraße
9 ein, in dem heute die
Katholische Jugendfürsorge für die Diözese Augsburg ihren Hauptsitz hat.
Als die Regierung der Weimarer
Republik nach dem Krieg die Geldmenge massiv ausweitete, um die Staatsschulden
in den Griff zu bekommen, löste dies eine Hyperinflation aus. Das fraß die
Ersparnisse der „kleinen Leute“ auf. Die Caritas reagierte darauf und
entwickelte die „Caritasvorsorge“. Unvorgesehene größere Ausgaben, wie zum
Beispiel ein Todesfall, konnten schnell zu einem großen finanziellen Problem
werden. So arbeitete die Caritas gleichsam als Versicherung für die kleinen
Leute. Ein kleiner Beitrag von einer halben bis zu zwei Mark reichte aus, um im
Versicherungsfall die durch einen Todesfall entstandenen Kosten ersetzt zu
bekommen. Die Caritasvorsorge fand
bayernweit
Beachtung. Die Diözesen Bamberg, Passau und Regensburg bauten bald eine eigene
„Caritasvorsorge“ auf.
In der Zeit der großen
Wirtschaftskrise von 1929 an wuchsen die Aufgaben der Caritas. Neue Mitarbeiter
wurden angestellt. Lebensmittelsammlungen mussten organisiert werden. Neben der
Unterstützung der Armen entfalteten sich der Anstaltsdienst, die
Müttererholung, die Offene Fürsorge und das Heimatwerk für freiwilligen
Arbeitsdienst.
Mit der Machtübernahme der Nazis
wurde der Caritasverband ein Stück Auffangbecken für führende Mitglieder
aufgelöster kirchlicher Organisationen. 1935 verboten die Nazis die
Lebensmittelsammlungen. Es gab keine Haus- und Straßensammlungen mehr. Die
Caritas wurde in die Kirchenräume abgedrängt. 1936 musste die Caritasvorsorge
an den Deutschen Herold abgegeben werden. Prälat Johannes
Nar
,
Direktor des Diözesan-Caritasverbandes, von 1921 bis 1963, gab das kleine
Büchlein mit dem programmatischen Titel „Wo ist Dein Bruder“ heraus. 60.000fach
wurde es illegal verbreitet. Um das Gebäude dem Zugriff der Nazis zu entziehen,
übertrug der Verband es der Diözese Augsburg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten
erneut Lebensmittel- und Kleidersammlungen den Schwerpunkt der Arbeit der
Caritas. So gingen viele tausende Menschen bei der Caritas an der
Volkartstraße
ein und aus. Auch der Kirchliche Suchdienst
wurde dort aufgebaut, der mit Hilfe der kirchlichen
Ortskarteien
auch aus den Vertreibungsgebieten dabei half, unzählige Menschen nach den
Wirren des Krieges wieder zusammenzuführen und Schicksale aufzuklären. Ein
Dienst übrigens, der auch heute noch besteht.
Der Aufbau des
Kindergartenreferates, der Behinderten- und Obdachlosenhilfe, Mütter- und
Altenerholung, die Sorge für auslände Arbeitnehmer prägte die weiteren
Jahrzehnte. Die Hilfen für suchtkranke wie auch psychisch kranke Menschen
kamen hinzu. Stets hat der Diözesanverband
den Zug der Zeit verfolgt, Impulse gegeben und die soziale Landschaft nicht nur
im Bistum Augsburg als größter Wohlfahrtsverband entscheidend mitgeprägt. Das
alles muss koordiniert und verwaltet werden. In den 1970er Jahren war der
Diözesanverband mit seinen Beratungsstellen über fünf Häuser verteilt. Eine
neue Bleibe wurde nötig. „Auf dem Kreuz“ entstand das neue Caritaszentrum, das
der damalige Bischof Josef
Stimpfle
am 13. Juni 1979
feierlich segnete.
Die
Diözesan-Caritasdirektoren:
1921 – 1964 Prälat
Johannes
Nar
1965 – 1990 Prälat Hermann Lutz
1990 – 2000 Prälat Karl-Heinz
Zerrle
2000 – 2003 Monsignore Dr. Peter
Neher
2003 – 2011 Domkapitular Prälat Peter C. Manz
Seit Januar 2011 Pfarrer Dr. Andreas Magg