Caritasdirektor Müller zum Welttag der Suizidprävention: "Es ist keine Schande, um Rat zu bitten. Im Gegenteil."
Augsburg, 06.09.2026 (pca). Hannes L. (24) spürte nur noch eine große Leere in sich. Da war nichts mehr in ihm, keine Energie, keine Freude, keine Freunde, nur Einsamkeit. Alles um ihn herum empfand er als fremd, so weit weg von ihm, unverständlich, auch weil niemand ihn wahrnahm. "Da ist nichts mehr, für was ich leben kann", meinte er. "Endet damit meine Lebensgeschichte?" Diese Frage quälte ihn. Er steckte fest in einem tiefen dunklen Tunnel. Hannes L. tat dann aber das einzig Richtige. Er rief eine Beratungsstelle an. Er suchte das Gespräch, kam in Kontakt mit jungen Menschen, die ihn verstehen. "Heute weiß ich, meine Geschichte ist noch lange nicht vorbei!", erzählt er.
Der Caritasverband für die Diözese Augsburg e. V. wirbt nun am Welttag der Suizidprävention am 10. September 2026 dafür, dass es keinen Grund gibt, nicht nachzufragen, nicht Rat zu suchen oder über das zu reden, was einen quält und lähmt. "Wir sind mit unseren Diensten und Beratungsstellen da für die Menschen, die Rat suchen. Das gilt für alle, ob jung oder alt, ob weiblich oder männlich", so der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Direktor Markus Müller. "Es ist keine Schande, um Rat zu bitten. Im Gegenteil." Insbesondere die Sozialpsychiatrischen Dienste der Caritas stehen bereit, hören zu, helfen und begleiten. "Das Thema Suizid ist uns nicht fremd", unterstreicht Susanne Grüßhaber, die beim Caritasverband für die Diözese Augsburg für die sozialpsychiatrischen Dienste und Angebote zuständig ist.
Der Augsburger Diözesan-Caritasverband wendet sich gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband an alle Menschen, die an einen Suizid denken, mit der Kernbotschaft: "Du bist nicht allein, Hilfe ist nah und erreichbar." "Dein Leben ist kostbar. Du bist wertvoll." "Hilfe suchen ist stark." "Reden rettet Leben - zuhören und ernst nehmen."
Plakat zum Weltsuizidpräventionstag am 10. September 2026Quelle: https://kampagne.welttag-suizidpraevention.de/
In der Gesellschaft ist Suizid leider nach wie vor ein Tabuthema. Jene, die daran denken, es zu tun, schweigen darüber. Und andere, die jedes Mal erschrecken, wenn sie von einem Selbstmord hören, schweigen, weil sie zu wenig darüber wissen, Warnsignale nicht wahrnehmen und auch Hilfsangebote nicht kennen. "Es ist diese Schweigespirale, die wir durchbrechen müssen", unterstreicht Grüßhaber.
Viele Betroffene senden schon im Vorfeld Warnsignale wie sozialer Rückzug, deutliche Verhaltensänderungen oder offene und indirekte Äußerungen suizidaler Gedanken. "Wir müssen lernen sie wahrzunehmen und ernst zu nehmen", so Grüßhaber. "Nur so können helfen, Menschen ermutigen und letztlich Suizidversuche verhindern." Suizidale Gedanken offen auszusprechen, hilft, so Fachleute, das Risiko der Tat zu senken. "Offen darüber sprechen, entlastet Betroffene. Sie spüren, sie sind nicht allein." Prävention bedeute, hinzuschauen, zuzuhören und Hilfe zugänglich zu machen. Die Caritas leiste diesen Dienst, betonen Müller und Grüßhaber.
Info:
Suizidalität entsteht in der Regel nicht plötzlich. Sie geht mit einer langen Phase des Leidens einher. Besonders gefährdet sind dabei Menschen mit psychischen Erkrankungen oder früheren Suizidversuchen, ebenso ältere, einsame Menschen mit schweren Erkrankungen sowie junge Erwachsene in Lebens- und Beziehungskrisen. Auffällig ist zudem eine geschlechtsspezifische Verteilung, denn rund 70 Prozent der Suizidtoten sind Männer. Bedrückend auch ist, dass Suizid die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25 Jahren ist.
In Deutschland nimmt sich alle 51 Minuten ein Mensch das Leben. Allein im Jahr 2024 starben 10.372 Menschen durch einen Suizid, mehr als durch Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, illegale Drogen und AIDS zusammen.
Online-Beratung
Beratung bei allen Sozialpsychiatrischen Diensten der Caritas im Bistum Augsburg
www.caritas-augsburg.de/sozialpsychiatrische-dienste
https://krisendienste.bayern/schwaben/
Weitere Infos zur Kampagne zum Welttag der Suizidprävention:
https://kampagne.welttag-suizidpraevention.de/
Checkliste für die Berichterstattung über Suizide des Nationale Suizidpräventionsprogramm (NaSPro):
https://naspro.de/dl/NaSPro_Empfehlung_Berichterstattung.pdf